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01. April 2026

Bezahlbares Wohnen – die soziale Frage unserer Generation

Wohnen wird für immer mehr Menschen in Deutschland zur sozialen Herausforderung. Steigende Mieten, Wohnungsmangel und unsichere Zukunftsperspektiven führen dazu, dass bezahlbarer Wohnraum heute zu den wichtigsten politischen Themen gehört.

Deutschland gilt weiterhin als „Mieter*innenland Nummer eins“ in Europa. Mehr als 52 % der Bevölkerung – über 44 Millionen Menschen – leben zur Miete, und die Zahl der Mieter*innen ist in den vergangenen fünf Jahren um rund drei Millionen gestiegen. Gleichzeitig verschärft sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt zunehmend. Der „Deutsche Mieterbund“ warnt in seinem „Mietenreport 2025“, dass rund 6 Millionen Mieter*innen durch hohe Wohnkosten extrem belastet sind und fast jede dritte Person Angst hat, sich die eigene Wohnung künftig nicht mehr leisten zu können.

Die Krise betrifft längst nicht mehr nur Menschen mit niedrigem Einkommen. Auch die Mittelschicht gerät zunehmend unter Druck. Besonders Familien mit Kindern haben Schwierigkeiten, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Gleichzeitig leben mehr als acht Millionen Menschen in überbelegten Wohnungen, während etwa jede sechste Person in Wohnungen mit erheblichen Mängeln wie Schimmel oder Feuchtigkeit wohnen muss.

Ein Blick auf die Entwicklung der Mietpreise zeigt, wie dramatisch die Situation geworden ist. In den größten deutschen Städten sind die Mieten in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt um etwa 50 % gestiegen. Besonders stark war der Anstieg in Berlin, wo die Mieten innerhalb eines Jahrzehnts sogar um mehr als 100 % gestiegen sind. München und Frankfurt gehören mittlerweile zu den teuersten Wohnungsmärkten Deutschlands, mit durchschnittlichen Mietpreisen von über 20 Euro pro Quadratmeter in einigen Stadtteilen.

Zwar wurde bereits 2015 die sogenannte Mietpreisbremse eingeführt, um extreme Mietsteigerungen zu begrenzen. Doch viele Fachleute und Politiker*innen kritisieren, dass ihre Wirkung bislang begrenzt ist. Sie gilt beispielsweise nicht für viele Neubauten oder umfassend modernisierte Wohnungen. Deshalb fordern mehrere Parteien eine Verschärfung oder Reform dieser Regelung.

Auch die SPD hat sich wiederholt für stärkere Maßnahmen auf dem Wohnungsmarkt ausgesprochen. Wir fordern unter anderem eine Verlängerung der Mietpreisbremse, strengere Regeln gegen Mietwucher und eine deutliche Ausweitung des sozialen Wohnungsbaus. Ziel sei es, Mieter*innen besser zu schützen und den starken Anstieg der Wohnkosten zu begrenzen.
Ein zentraler Bestandteil dieser Strategie ist eine umfassende Bauoffensive. Die SPD hat vorgeschlagen, jährlich rund 400.000 neue Wohnungen zu bauen, darunter mindestens 100.000 Sozialwohnungen, um den angespannten Wohnungsmarkt langfristig zu entlasten. Aber jetzt vier Jahre nach diesem Versprechen der Ampelregierung bleibt auch die erhoffte Entwicklung aus.
Hingegen wurde 2025 die Mietpreisbremse politisch verlängert, um Mieter*innen vor extrem steigenden Wiedervermietungsmieten zu schützen. Diese Regelung begrenzt in angespannten Wohnungsmärkten die Miete bei neuen Verträgen auf maximal 10 % über der ortsüblichen Vergleichsmiete. Andere politische Kräfte, wie wir Jusos, setzen dem ein Modell wie den Mietendeckel entgegen. Dieser kann etwa in Form eines Mietenstopps umgesetzt werden, wie er in Berlin angewandt wurde. Dabei wurden die Mieten auf dem Stand vom 18. Juni 2019 eingefroren. Zudem durften bei Neuvermietungen festgelegte Obergrenzen, abhängig von Baujahr, Lage und Ausstattung, nicht überschritten werden.

Seit einigen Monaten gilt der befristete Bauturbo, der darauf abzielt, Genehmigungsverfahren für Neubauten spürbar zu vereinfachen und zu beschleunigen. Mit dem „Bau-Turbo“ können Städte und Gemeinden auf die Aufstellung oder Änderung eines Bebauungsplans (also einem Plan, was auf dem Grundstück gebaut werden darf) verzichten.  Auch in Heiden sind bereits erste Maßnahmen umgesetzt worden.

Doch trotz solcher Maßnahmen bleibt der Wohnungsmarkt angespannt und ein „Turbo“ beim Wohnungsbau aus. Expert*innen gehen davon aus, dass die Mieten in vielen Regionen auch in den kommenden Jahren weiter steigen werden. Der wichtigste Grund dafür ist der strukturelle Wohnungsmangel: In vielen Städten übersteigt die Nachfrage nach Wohnraum weiterhin deutlich das Angebot.

Damit wird immer deutlicher: Wohnen ist längst mehr als nur eine wirtschaftliche Frage. Eine sichere und bezahlbare Wohnung bedeutet Stabilität, Teilhabe und Lebensqualität. Wenn immer mehr Menschen einen großen Teil ihres Einkommens für Miete ausgeben müssen oder Angst haben, ihre Wohnung zu verlieren, betrifft das die gesamte Gesellschaft.


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